🌴 Roatán: Leguane, Mangroven-Labyrinth & ein magischer Strandmoment in West End

🚢 Ankunft in Coxen Hole

Nächster Stopp unserer Mittelamerika-Reise: Coxen Hole auf Roatán, Honduras – Hauptinsel der Islas de la Bahía. Sonnig, angenehme 27 Grad, kaum Wind: bessere Bedingungen für einen Ausflugstag gibt’s kaum. Gebucht hatten wir die Tour „Mangroven, Leguane & West End“ bei Just Float – und der Tag hatte es in sich, denn zwischen Leguanen, Mangroven und einem ziemlich zwielichtigen Piratenschiff war heute wieder alles dabei.

🦎 Leguan-Park: Gänsehaut-Moment auf der Schulter

Erste Station nach einer kurzen Fahrt durch French Harbour: die Leguanfarm. Über 3.000 Tiere leben hier frei auf dem Gelände – ein Park, der sich ganz der Rettung der Grünen Leguane verschrieben hat. Über zehn Morgen Fläche werden für die vom Aussterben bedrohten Tiere freigehalten – die Jungtiere wachsen zwei Jahre lang geschützt auf, bevor sie zurück in die Wildnis dürfen. Richtig sympathisch, so ein Stück gelebter Artenschutz mitten im Ausflugsprogramm.

Und dann durfte ich auch schon selbst ran: Ein Leguan wurde mir kurzerhand auf die Schulter gesetzt. Von scharfen Krallen habe ich dabei gar nichts gespürt – stattdessen fühlte sich seine Haut überraschend rau an, fast wie feines Schmirgelpapier. So nah an so einem urzeitlich aussehenden Tier zu stehen, war trotzdem ein echtes Highlight.

Der Naturschützer vor Ort erzählte uns dazu auch eine traurigere Seite der Geschichte: Immer wieder wird ins Reservat eingebrochen, um Leguane zu stehlen – zum Verzehr. Klingt hart, ist aber leider keine Übertreibung: Die illegale Jagd auf Leguane zum Essen zählt tatsächlich zu den größten Bedrohungen für die Bestände auf Roatán, gerade weil viele Tiere nur noch in kleinen, privat geschützten Arealen wie diesem einigermaßen sicher sind.

🌿 Oakridge & Mangroven-Tour: Stille, Wurzel-Labyrinthe & ein gestrandetes Wrack

Weiter ging’s ins Fischerdorf Oakridge, wo uns unser Bootskapitän schon erwartete. An Bord seiner bunt dekorierten Lancha ging es rund 60 Minuten durch die Mangroven und einen Teil von Oakridge – ein Dorf, das man teils wirklich nur vom Wasser aus zu sehen bekommt.

Unterwegs ging es an bunten Holzhäusern auf Stelzen vorbei, direkt am Wasser, Wäscheleinen zwischen den Veranden gespannt. Ein Stück gelebter Alltag der Insel, nur eine Bootslänge von unserem Weg entfernt. An einem schwimmenden Lokal wehten sogar Flaggen aus aller Welt – inklusive Deutschland, direkt neben dem Sport Bar Grill.

Dann tauchten wir ein in die Mangroven bei Jones Ville Point. Was für ein Kontrastprogramm zum Dorftrubel: gespenstisch ruhiges, glasklares Wasser, durchzogen von einem Wurzelgeflecht, das aussieht, als hätte die Natur hier ihre eigene Kunstinstallation gebaut. Mittendrin lag ein halb versunkenes altes Boot im Uferschlamm – vermutlich schon seit Jahren aufgegeben, aber ein fast schon malerischer Anblick zwischen den Wurzeln.

☕ Café-Trick: Wie unser Guide für uns Türen öffnete (und Zimtschnecken)

Nach der Bootstour ging’s zum Kaffeetrinken – mit einer kleinen Vorgeschichte: Das Café hatte laut Guide eigentlich schon geschlossen. Aber unser Guide hatte das vorab organisiert, extra für uns! Die Türen gingen auf, der Kaffee dampfte – und dazu gab’s Zimtschnecken, die laut Guide „sehr lecker“ sein sollten.

Spoiler: Er hatte nicht übertrieben. Die Zimtschnecken waren wirklich mega lecker, und dass sich jemand die Mühe macht, extra für eine kleine Reisegruppe ein geschlossenes Café aufzuschließen – das ist genau die Art von Service, die einen Ausflug von „nett“ zu „richtig besonders“ macht.

🏖️ West End: Essen, Bananenchips & ein magischer Moment am Strand

Weiter ging die Fahrt bis nach West End – einer der schönsten Ecken der Insel. Dort haben wir gemeinsam mit unserem Guide etwas Lokales gegessen, dazu ein kühles Salva Vida (das honduranische Bier) und eine Coke. Genau die Art von Pause, die einen Ausflugstag rund macht.

Weil man sich in West End frei bewegen konnte, sind wir nach dem Essen noch ein Stück spazieren gegangen – und haben in einem kleinen Konsum Bananenchips gekauft. Ein kleiner, unspektakulärer Moment, der aber genau ins Bild passte: entspannt, unkompliziert, im eigenen Tempo.

Der eigentlich schönste Moment kam dann aber ganz von selbst: Mein Mann und ich haben uns einfach an den Strand gesetzt und den spielenden Kindern zugeschaut, die dort Fußball gespielt haben. Im Hintergrund lief typisch karibische Musik. Diese Kombination aus Sonnenschein, Strand, karibischer Musik und lachenden, Fußball spielenden Kindern – das war einfach magisch. Keine Aktivität, kein Programm, einfach nur da sitzen und den Moment aufsaugen.

🏴‍☠️ Isery: Das Piratenschiff mit dunkler Vergangenheit

Auf der Weiterfahrt kam dann noch ein echter Blickfang ins Bild: ein komplett auf Land gebautes Piratenschiff-Bauwerk, das den Namen „Isery“ trägt. Laut unserem Guide war das früher mal eine Disco – und soll angeblich auch als Kulisse für die Geschäfte eines Drogenbosses gedient haben.

Eine kurze Recherche im Nachhinein hat die Geschichte sogar noch bestätigt: Isery sollte tatsächlich ein großer Nachtclub mit Bar, Bühne und mehreren Ebenen werden – gebaut im Osten der Insel, in der Gemeinde Santos Guardiola. Zu einer richtigen Eröffnung kam es aber nie: Der Kopf hinter dem Projekt wurde noch vor der geplanten Eröffnungsnacht verhaftet, mit Verbindungen zum mexikanischen Sinaloa-Kartell und wegen Geldwäsche. Seitdem steht das Schiff einfach nur noch leer da – aus einem geplanten Party-Hotspot wurde ein stiller, etwas gespenstischer Blickfang am Straßenrand.

Angehalten haben wir trotzdem nicht: Vor Ort sollen Leute Touristen bedrängen, um sie zu kostenpflichtigen Fotos zu überreden. Unser Guide fuhr also lieber gemütlich weiter – und wir hatten trotzdem unseren Blick aus dem Fenster erhascht.

⭐ Fazit

Roatán hat uns mit einem bunten Programm überrascht: von schutzbedürftigen Leguanen über stille Mangroven bis zu einer Prise Inselgeschichte mit Piraten- und Drogenboss-Flair. Und dass unser Guide extra ein geschlossenes Café für uns aufgeschlossen hat, war der schönste Beweis dafür, wie viel ein guter Guide für die Stimmung eines ganzen Ausflugstages ausmachen kann.

Mein persönliches Highlight war aber ein ganz unspektakulärer Moment: einfach am Strand von West End sitzen, den spielenden Kindern beim Fußball zuschauen, dazu karibische Musik im Hintergrund. Kein Programmpunkt der Welt hätte das planen können.

Mein Insider-Tipp für euch: Lasst euch von der rauen Leguan-Haut nicht abschrecken – der Moment lohnt sich. Und wenn ihr in West End Zeit zur freien Verfügung habt: einfach mal hinsetzen, nichts tun, zuschauen. Manchmal ist genau das der beste Programmpunkt 😉

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