​🌴Martinique: Dschungel-Magie, Rum und ein eher rustikales Finale

Es war der 15. Januar 2024, und schon beim Blick auf die Bordzeitung stieg die Vorfreude auf unseren ersten Hafen. Für uns war sofort klar: Wir wollen nicht einfach nur nett durch die Gegend geschaukelt werden, sondern den wilden Norden von Martinique erleben. Also ging es für uns auf die Tour „Abenteuer Martinique – Der Norden / Tour 1“.

Noch bevor der Ausflug überhaupt richtig losging, gab es direkt einen kleinen Aha-Moment: Martinique gehört zu Frankreich. Das bedeutet EU-Roaming mitten in der Karibik. Irgendwie ziemlich verrückt, wenn man irgendwo zwischen Palmen und Tropenfeeling sitzt und ganz selbstverständlich Nachrichten verschickt, als wäre man gerade in der Nachbarschaft.

🌿 Dschungel statt Sonntagsausflug

Unsere Fahrt führte uns vorbei an den Pitons du Carbet hinein in den tropischen Norden der Insel. Und ab da war endgültig Schluss mit „nur mal kurz aus dem Bus gucken“ — plötzlich war alles sattgrün, feucht, wild und ein kleines bisschen wie aus einem Abenteuerfilm. Riesige Bambusse, dichte Farne, kleine Gebirgsbäche und überall dieses Gefühl, dass die Natur hier einfach mal machen darf, was sie will.

Über einen kleinen Pfad ging es dann zum Wasserfall Fond Saint Denis, auch Saut Gendarme genannt. Das Wasser rauschte, die Luft war angenehm kühl und feucht, und wir standen da und dachten ziemlich einhellig: Ja, das hat schon was. Sehr sogar.

Während ich einfach nur die traumhafte Natur genossen habe, war mein Mann offenbar auf ganz eigener Mission unterwegs. Mit hochkonzentriertem Blick stapfte er durchs Unterholz, als würde er gleich den Fund seines Lebens machen. Ich bin mir ziemlich sicher: In seinem Kopf suchte er nicht irgendein harmloses Tier — nein, er hoffte ganz eindeutig auf eine richtig schöne, fette Vogelspinne. Ich selbst war in dem Moment sehr froh, dass der Dschungel uns eher mit Pflanzen und Wasserfall als mit achtbeinigen Überraschungsgästen begrüßt hat.

🍍 Plantage Beauvallon: schön, spannend und mit Gänsehautmoment

Der nächste Stopp war die Plantation Beauvallon, ein botanischer Garten mit tropischen Pflanzen, der wirklich wunderschön war. Überall Farben, Blüten, sattes Grün — und zwischendrin sogar kleine wilde Ananas. Also wirklich: Wenn man hier nicht mindestens einmal kurz stehen bleibt und innerlich „Wow“ sagt, dann ist man wahrscheinlich gerade geistig schon beim nächsten Eis.

Aber natürlich hat auch so ein hübscher Ort seine dunklen Seiten. Zwischen all dem Grün stehen Bäume mit riesigen Stacheln an den Stämmen, und unser Guide erzählte dazu eine Geschichte, bei der es uns kurz den Spaß aus dem Gesicht wischte: In der Zeit der Sklaverei sollen diese Stämme für grausame Bestrafungen genutzt worden sein. Das war einer dieser Momente, in denen man plötzlich ganz still wird, weil einem klar wird, dass hinter der schönen Kulisse auch eine sehr harte Geschichte steckt.

🥃 Rum, Kulisse und nur ein Blick von außen

Danach ging es zur Rumbrennerei Depaz. Schon von außen sah das Ganze richtig schön aus — mit dieser typischen Mischung aus tropischem Grün, alter Geschichte und dem Gefühl, dass hier bestimmt jede Menge gute Geschichten in der Luft hängen. Rein kamen wir allerdings nicht; die Destillerie war wohl geschlossen oder jedenfalls nicht für uns zugänglich, also blieb es bei einem Blick von außen.

Ehrlich gesagt hatte das sogar ein bisschen Charme. Einmal kurz fachmännisch gucken, anerkennend nicken und so tun, als würden wir jetzt ganz genau wissen, wie Rum gemacht wird. Immerhin war die Kulisse wirklich schön — und allein der Anblick machte schon Lust auf ein Glas.

Und dann kam einer dieser kleinen Reise-Momente, die man sich nicht bestellen kann: Der Mont Pelée zeigte sich tatsächlich wolkenfrei. Also nicht nur ein bisschen, sondern richtig schön in voller Pracht. Für uns war das ziemlich besonders, denn normalerweise versteckt sich der Vulkan offenbar gerne hinter Wolken und Nebelschwaden. Diesmal aber nicht — diesmal hatte er offenbar gute Laune.

⏱️ Saint-Pierre und die große 30-Minuten-Entscheidung

Zum Schluss ging es nach Saint-Pierre. Die Stadt wurde 1902 beim verheerenden Ausbruch des Mont Pelée fast vollständig zerstört. Heute ist sie ein Ort mit Geschichte, Charakter und dem typischen Gefühl von: Hier müsste man eigentlich viel mehr Zeit haben.

Natürlich war genau das nicht der Fall. Stattdessen gab es vom Guide die charmante Ansage, dass wir nur noch etwa 30 Minuten Freizeit hätten. Perfektes Timing also für die große Urlaubsfrage: Ruinen anschauen oder lieber ans Meer?

Wir entschieden uns fürs Meer. Und da wurde es noch einmal sehr ehrlich. Denn statt Karibiktraum mit Puderzuckerstrand erwartete uns eher ein steiniger, etwas unbequemer Untergrund. Ein Ort, an dem man nicht einfach elegant ins Wasser gleitet, sondern sich mit etwas Vorsicht und deutlich weniger Glamour vorarbeitet. Barfuß war das Ganze jedenfalls eher keine gute Idee.

An einen schwarzen Strand erinnere ich mich dabei ehrlich gesagt nicht — eher an einen rauen, steinigen Abschnitt, der optisch interessant, aber für die Füße ziemlich unfreundlich war. Dafür passte das irgendwie ganz gut zum Rest des Tages: wunderschön, spannend und an manchen Stellen eben auch ein kleines bisschen ungemütlich.

⚓ Abends an Bord: Norden gegen Süden

Später an Bord der Mein Schiff 4 wurde natürlich noch ordentlich erzählt und verglichen. Andere Gäste waren im Süden der Insel unterwegs gewesen und kamen aus dem Schwärmen kaum noch heraus: weiße Strände, kreolische Märkte, feiner Sand und dieses klassische Karibikgefühl, bei dem man am liebsten sofort barfuß durch den Tag läuft.

Und genau da zeigt sich das Schöne an Martinique: Die Insel kann völlig unterschiedliche Gesichter haben. Der Norden ist wild, grün, geheimnisvoll und ein bisschen dramatisch. Der Süden scheint eher der Teil zu sein, der sagt: „Leg dich hin, bestell dir noch einen Drink und tu einfach so, als hättest du keinen Termin.“

Unser Fazit?

Der Norden war ein echtes Abenteuer mit Charakter. Nicht geschniegelt, nicht glattgebügelt, sondern voller Dschungel, Geschichte, Rum-Kulisse und einem Strand, der unsere Füße sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt hat. Genau deshalb bleibt uns dieser Tag auch so gut in Erinnerung — weil er eben nicht perfekt geschniegelt, sondern herrlich echt war.

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