Manchmal sind es ausgerechnet die Tage, an denen nichts nach Plan läuft, die einem am längsten im Gedächtnis bleiben. Für Tortola hatten wir keinen festen Ausflug gebucht. Wir wollten einfach schauen, wohin uns der Tag führt. Statt strahlend blauem Karibikhimmel erwarteten uns allerdings dunkle Wolken, Nieselregen und Straßen, die vom Regen glänzten. Ehrlich gesagt waren wir im ersten Moment etwas enttäuscht. Doch genau dieser Tag entwickelte sich zu einer der Geschichten, über die wir heute noch erzählen.
Am Mittwoch, den 24. Januar 2024, legte die Mein Schiff 4 pünktlich um 7:30 Uhr in Road Town, der Hauptstadt der Britischen Jungferninseln, an. Das Tagesprogramm versprach uns „Architektur in Bonbonfarben und die entspannte Mentalität der Einwohner“. Also machten wir uns – wie so oft – einfach auf eigene Faust auf den Weg.

Souvenir-Shopping auf Karibisch – oder: Feilschen ist nicht überall willkommen
Direkt hinter dem Kreuzfahrtterminal trafen wir zufällig Freunde wieder, die wir erst wenige Tage zuvor auf dem Schiff kennengelernt hatten. Gemeinsam schlenderten wir an den bunten Marktständen vorbei. Unser ehrgeiziges Ziel? Kühlschrankmagnete. Ja, wir gehören tatsächlich zu den Menschen, deren Kühlschrank langsam mehr Länder als freie Fläche zeigt.
Die Preise waren schnell entdeckt: 5 US-Dollar pro Magnet. Da wir insgesamt sechs Stück kaufen wollten, dachten wir uns ganz optimistisch: Fragen kostet ja nichts. Also fragten wir freundlich nach einem kleinen Mengenrabatt – 25 statt 30 Dollar erschien uns durchaus fair.
Die Antwort fiel… sagen wir einmal so: Die berühmte karibische Gelassenheit hatte an diesem Morgen wohl selbst frei.
Von Verhandeln wollte hier niemand etwas wissen. Ganz im Gegenteil.
Im Nachhinein mussten wir über uns selbst lachen. Da diskutiert man mitten in der Karibik wegen fünf Dollar, während im Hintergrund Palmen im Wind wackeln. Urlaub kann manchmal herrlich irrational sein.
Unser kleiner Protest endete damit, dass wir aus Prinzip tatsächlich nur einen einzigen Magneten kauften. Ob wir einfach Pech hatten oder auf Tortola generell weniger gefeilscht wird, können wir natürlich nicht beurteilen. Es war jedenfalls eine Erfahrung mehr.
Danach trennten sich unsere Wege wieder. Unsere neuen Urlaubsfreunde zogen weiter, während mein Mann und ich einfach ohne Plan durch Road Town spazierten.
Zwischen Regenwolken, herzlichen Menschen und blauen Schildern
Je weiter wir uns vom Hafen entfernten, desto ruhiger wurde es. Die grünen Berge verschwanden immer wieder hinter tief hängenden Wolken, die Straßen waren noch nass vom Regen und die Insel zeigte sich von einer ganz anderen Seite als auf den Hochglanzbildern der Kreuzfahrtprospekte.


Und wisst ihr was?
Gerade das hatte seinen eigenen Charme.
In einem kleinen Supermarkt kauften wir Getränke und ein paar Snacks. Die Verkäuferin begrüßte uns mit einem so herzlichen „Hello“, dass der graue Himmel für einen Moment völlig egal war. Genau solche Begegnungen sind es doch, die einem viel länger im Gedächtnis bleiben als jede Sehenswürdigkeit.
Was uns allerdings wirklich überraschte, waren die blauen Tsunami-Warnschilder, die überall entlang der Straßen stehen. Als Europäer stolpert man nicht gerade täglich darüber.
Dabei haben sie einen ernsten Hintergrund. Die Britischen Jungferninseln liegen in einer Region, in der starke Erdbeben und dadurch ausgelöste Tsunamis zwar selten sind, aber durchaus vorkommen können. Deshalb gibt es auf der ganzen Insel ausgeschilderte Evakuierungsrouten und Sammelpunkte.
Ein ungewohnter Anblick – und einer, der einen mitten im Urlaub kurz innehalten lässt.

Ein Volleyball-Plakat und plötzlich war Zuhause ganz nah
Den emotionalsten Moment des Tages fanden wir nicht an einem Aussichtspunkt und auch nicht an einem Traumstrand.
Sondern an einer ganz normalen Hauswand.
Dort hing ein großes Werbeplakat für die Eastern Caribbean Volleyball Championship.
Ich blieb sofort stehen und machte ein Foto.
Warum?
Weil unser jüngster Sohn leidenschaftlich Volleyball spielt.Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr ohne eure Kinder verreist. Man genießt die gemeinsame Zeit als Paar, freut sich über jeden neuen Ort – und trotzdem reicht manchmal eine winzige Kleinigkeit, damit die Gedanken sofort nach Hause wandern.
Genau so war es in diesem Moment.

Mitten in der Karibik erinnerte uns ein einfaches Volleyball-Plakat daran, dass Zuhause immer ein kleines Stück mitreist.
Mein Mann grinste nur und sagte: „Das müssen wir ihm unbedingt zeigen.
“Und plötzlich fühlte sich Tortola ein kleines bisschen wie Zuhause an.
Der Pier Park – manchmal liegt das Gute direkt am Schiff
Nach unserem Spaziergang zog es uns langsam wieder zurück zum Hafen.
Direkt am Kreuzfahrtterminal befindet sich der moderne Cyril B. Romney Tortola Pier Park. Zwischen Palmen, kleinen Geschäften, Cafés und Souvenirläden lässt es sich wunderbar bummeln. Hier wirkt alles gepflegt, entspannt und perfekt auf Kreuzfahrtgäste eingestellt.


Und jetzt kommt die kleine Ironie des Tages:
Ausgerechnet dort fanden wir später die schönsten Souvenirs unserer gesamten Zeit auf Tortola.
Manchmal sucht man das Besondere in den kleinen Gassen einer Stadt – und manchmal wartet es tatsächlich direkt vor dem Schiff.
Natürlich durfte auch das obligatorische Foto am großen BVI-Schriftzug nicht fehlen. Zugegeben: Mit dem grauen Himmel im Hintergrund sieht es etwas weniger nach Bilderbuch-Karibik aus. Aber genau deshalb mögen wir das Foto heute besonders gern. Es zeigt Tortola so, wie wir die Insel erlebt haben – ehrlich, ein bisschen grau und trotzdem wunderschön.
Mein Fazit
Tortola war für uns keine Insel mit spektakulären Ausflügen oder den schönsten Stränden der Reise.
Dafür schenkte sie uns etwas viel Wertvolleres.
Einen Tag voller kleiner Geschichten.
Einen störrischen Souvenirhandel, über den wir heute noch lachen. Eine unglaublich herzliche Verkäuferin im Supermarkt. Blaue Tsunami-Schilder, die uns kurz nachdenklich machten. Und ein Volleyball-Plakat, das für einen Moment eine Brücke nach Hause schlug.
Manchmal sind es eben nicht die perfekt geplanten Ausflüge, die einem für immer in Erinnerung bleiben.
Manchmal reicht ein verregneter Spaziergang durch Road Town, damit man am Ende des Tages lächelnd zurück aufs Schiff geht und denkt:
Genau deshalb lieben wir Kreuzfahrten. ❤️

Und falls ihr einmal auf Tortola seid, dann lauft ruhig ein Stück über den Pier hinaus. Vielleicht entdeckt ihr nicht die berühmteste Sehenswürdigkeit der Insel – aber vielleicht eure ganz persönliche Geschichte. 😉